Raildriver`s Cab Controller
Zuerst einmal muss Platz gemacht werden. Dann kommt der über 3 kg schwere Gegenstand vor den Monitor. Die Tastatur zur Seite und die Maus verschwindet. Der neue Mittelpunkt in der Trainsimulator-Reihe stellt sich vor:
der Raildriver oder Cabcontroller
Es ist der in Paderborn ansässigen Firma Aerosoft zu verdanken, dass wir heute einen Testbericht zur ersten Hardware des Microsoft Trainsimulator vorstellen können. Der Raildriver oder Cab Controller stellt die neue Steuerung der Züge im MSTS (Microsoft Trainsimulator) dar.
Die in Amerika entwickelte Hardware stellt eine logische Verbindung zwischen dem Anspruch des MSTS für eine adäquate Steuerung und den Interessen der User dar. Aerosoft präsentiert das Produkt im deutschsprachigen Raum.
Der Cab Controller stellt allein optisch schon eine Menge dar. Im Zentrum die Steuerungsinstrumente, flankiert zwischen Knöpfen und Schaltern, und eine untenliegende Schaltreihe lassen die Möglichkeiten dieser Hardware erahnen.
Aerosoft liefert das Gerät komplett mit Netzteil, einer (gut verständlichen Anleitung) sowie einer Treiber-CD aus.
Nach der ersten Begutachtung des Steuerungsinstrumentes kommt auch schon ein kleines Erstaunen. Die Regler sind aus Kunststoff. Obwohl dieser Kunststoff und die Verarbeitung einen sehr stabilen Eindruck hinterlassen und sehr präzise geführt werden können, hier wären Teile aus Metall dem Cab Controller auch gut zu Gesicht gestanden. Und ein wenig breiter (noch breiter als er schon ist) hätte er ausfallen dürfen. Zumindest zählen die Hände des Tester nicht zu den schmäleren seiner Art, so dass die Bedienungselemente schon nahe genug beieinander stehen.
Vor der Freude kommt die Installation. Der Raildriver verlangt einen freien USB-Anschluss. Das bedeutet, für den USB, grundlegende Hardwarevoraussetzungen: ab Win 98 sollte es schon sein.
Für die Installation wird dringend geraten die in der Produktbeschreibung aufgeführte Installationsroutine einzuhalten.
Also zuerst die (nicht mehr ganz aktuelle) Treiber-CD einlegen und das Gerät (noch ohne USB-Verbindung!) installieren. Computer herunterfahren. USB-Verbindung herstellen und PC einschalten. Das Gerät wurde auf dem Test-PC (Win XP, Geforce 3) problemlos erkannt und eingerichtet. Wie bei USB-Geräten üblich, können herkömmlich angeschlossene Joysticks etc., belassen werden.
Nachdem der Raildriver über das Programmsymbol aufgerufen wurde, erfolgte die Kalibrierung der Steuerungs- und Bedienelemete. Dank der hervorragenden Menüführung ist dies auch für ungeübte PC-User ohne besondere Schwierigkeiten durchzuführen.
Anschließend muss eine Lok gewählt werden. Auch dies geschieht über das intuitiv eingerichtete Raildriver-Programm. Abschließend kann direkt der Trainsimulator gestartet werden.
Soviel zur Pflicht. Gespannt setzte sich der Tester vor den PC um zur Kür, dem Fahren der Züge, überzugehen. Nach dem Starten des Trainsimulators wurde eine Aufgabe, bitte mit der vorher gewählten Lokomotive, ausgesucht. Die "Regeln", warten bis sich der Raildriver von selbst eingespielt hat, sind eingehalten. Jetzt kann es losgehen. Der Fahrregler aufgeregt vorsichtig aufgedreht.
Und es passierte ... nichts.
Nachdem über Optionen im MSTS die Steuerungseinstellungen der Tastatur auf Standard gestellt wurde, war es soweit. Jetzt stand der Abfahrt nichts mehr im Wege. Und es hat Spaß gemacht.
Die Bedienelemente des Cab Controllers sind denen der Steuerstände nachempfunden. Lediglich die Funktion des Fahrreglers ändert sich entsprechend der gewählten Lokomtive.
So wird der Fahrregler bei amerikanischen Lokomotiven zum Kombihebel für dynamische Bremse (von der Mittelstellung nach oben) bzw. zum Fahrthebel (von der Mittelstellung nach unten). Beim deutschen Modell ist die Funktion ausschließlich auf den Fahrtregler ausgelegt. Hier wird der Regler durchgehend (von unten nach oben) zur Geschwindigkeitseinstellung verwendet.
Während bei US-Loks die realistischen 8 Fahrstufen beibehalten sind (allerdings stufenlos) ist bei deutschen Zügen die Angabe der Stellung wie gewohnt in %.
Ganz links befindet sich das Schaltpult mit 6 Knöpfen für Stromabnehmer, Sand, E-Bremse, Gänge, Sifa und Läuten. Darüber befindet sich die LED-Anzeige für die Geschwindigkeit (hier im Bild steht "rd" da der Controller beim Foto nicht im Trainsimulator lief). Neben dem Schaltpult befindet sich ein Hebel für das Signalhorn.
Der erste Hebel im mittleren Bedienelement ist der Richtungswender. Gefolgt vom Kombihebel (Fahrt bzw. dynamische Bremse), der mit der Zugbremse als 3. Schieberegler diesen Teil abschließt. Die etwas weiter rechts angeordnete Lokbremse stellt den Übergang zu den ganz rechts befindlichen Umschaltern für Licht und Scheibenwischer dar.
Die untenliegenden 2-reihigen Druckknöpfe sind bereits vorbelegt (entsprechend den Ansichten 1 - 6, bzw. den Funktionstasten F1-F12). Hier bildet der Schalter für Kamerazoom und die frei bewegliche Außenkamera (Rundblick) den Abschluß der Gerätebeschreibung.
Eine Besonderheit stellt der eingebaute Basslautsprecher dar, der den Sound des MSTS gut unterstützt. Hier war aber die durchgeschleifte Geräteinstallation PC - Raildriver - Lautsprecher für den Tester aber nicht unbedingt von Vorteil.
Nach den ersten Versuchen mit der Zugsteuerung über den Raildriver, was zunehmend angenehmer wurde, folgten Activitis. Der Zug reagiert über den Cab Controller mit Verzögerung, was der Realität eher entspricht als der Tastatursteuerung. Dies gilt aber auch für die Bremsen. Am ersten Bahnhof wurde der Zug 300 m nach dem Ziel, und am zweiten Bahnhof mit Verspätung zum Stehen gebracht. Aber das gehörte bald der Vergangenheit an. Hier machte sich die insgesamt gute Verarbeitung des Produktes positiv bemerkbar. Die Hebel können, mit zunehmender Übung, immer präziser geführt werden.
Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Raildriver mit den über die Herstellerhomepage erhältlichen aktuelleren Treiber neu installiert, was das System insgesamt verbesserte. Auch die Einbindung der Unterstützung der MSTS-Addons über die jeweiligen Internetadressen erhöhte die Performance und den Spaß an der Arbeit. Nur eines störte den Tester. Die Antivirensoftware und der Cab Controller wurden auf dem Test-PC keine Freunde. Entweder lief das eine - oder das andere.
Den Entwicklern des Raildrivers ist besonders die Funktion der Außenkamera gelungen. Nicht nur die, ebenfalls mit Verzögerung ansprechende Zoomfunktion ist beeindruckend, im besonderen gilt dies für die Kameraansichten, die nahezu frei im Raum positioniert werden können. Hier kann die Tastaturbedienung nicht annähernd mithalten.
Diese Hardware lässt Visionen zu. Nur ein paar Gedanken. Ein dunkler Raum, ein Steuerpult. Der bequeme Stuhl aus dem Wohnzimmer. Vor mir der Raildriver. Der Beamer taucht die weiße Wand in eine überwältigende Farbenpracht eines schönes Sommertages. Die Signale stehen auf Grün. Die Bremsen sind gelöst, der Richtungswender zeigt nach vorne. Langsam schiebst Du den Fahrregler nach vorne. Der Zug nimmt Fahrt auf. Vorbei an Häuser und Gebäuden, an Brücken und Seen. Die Sifa spricht an. Metallisch kreischend hält der Zug an. Die Idylle wird jäh gestört. Wir beenden den Testbericht. Wer die Fortsetzung erleben möchte, kann es selbst ausprobieren. 199.- Euro sind für den Raildriver derzeit anzulegen. Aerosoft, in aller Form, der Beamer ist doch schon so teuer....
Dieser Testbericht stellt die freie und unabhängige Meinung der Testberichtautoren dar. Bei den in diesem Bericht genannten Bezeichnungen handelt es sich um geschützte Namen und Markenbezeichnungen der jeweiligen Inhaber.
Ergänzend weisen die Testberichtautoren darauf hin, dass ein Umschalten zwischen den verschiedenen Loks im Raildriver nicht über den MSTS erfolgen kann. Die Loks müssen in den Einstellungen des Cab Controllers ausgewählt werden, erst danach kann der Trainsimulator gestartet werden. Es werden zwar sehr viele, aber derzeit verständlicherweise nicht jede Lokomotive vom Raildriver unterstützt.